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Haut und Multiple Sklerose – untypische Symptome, Ursachen und Methoden zur Linderung
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Multiple Sklerose (MS) wird gemeinhin mit motorischen Dysfunktionen, Sehproblemen oder allgemeiner Schwäche in Verbindung gebracht. Das Spektrum der Symptome dieser Krankheit ist jedoch wesentlich breiter und umfasst auch dermatologische Beschwerden.

Hautmanifestationen bei MS können irreführend sein – Patienten erleben eine Vielzahl von Empfindungen, die von irritierendem Juckreiz bis hin zu starken Schmerzen bei Berührung reichen, wobei sie oft nicht wissen, dass die Ursache im Nervensystem liegt. Diese Probleme haben einen zweifachen Hintergrund: Sie können aus der Schädigung der Nervenbahnen resultieren (Fehler bei der Reizübertragung) oder eine Nebenwirkung der pharmakologischen Therapien sein. Eine korrekte Diagnose der Ursache ist der Schlüssel zu einer effektiven Behandlung.

Dysästhesien: Wenn das Gehirn täuscht – primäre sensorische Symptome

Viele Patienten erleben Hautsymptome, die sich nicht im Zustand ihrer Epidermis widerspiegeln. In diesen Fällen ist die Haut physisch gesund, es sind keine Entzündungen sichtbar, und dennoch verspürt der Patient Unbehagen. Dies resultiert aus dem Pathomechanismus der MS: Das Immunsystem greift das Myelin (die Schutzhülle der Nerven) an. Wenn die Isolierung der Nerven beschädigt wird, gerät der Fluss der elektrischen Impulse durcheinander. Das Gehirn empfängt verzerrte Signale und interpretiert diese als Schmerz, Juckreiz oder Brennen.

Zu den häufigsten Störungen dieser Art gehören:

  • Parästhesien: Eine breite Kategorie von Empfindungen, die Kribbeln, Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen oder das Gefühl von "Nadelstichen" umfasst. Oft treten auch thermische Störungen auf – ein plötzliches Gefühl von Hitze oder eisiger Kälte in einem bestimmten Körperbereich, ohne Zusammenhang mit der Umgebungstemperatur.
  • Neuropathischer Pruritus: Ein sehr belastender Juckreiz, der plötzlich auftritt und extrem intensiv ist. Da es sich nicht um eine allergische oder histaminbedingte Reaktion handelt, ist kein Ausschlag sichtbar, und herkömmliche Antiallergika bringen keine Linderung. Kratzen verschlimmert die Situation oft nur, indem es die Haut zusätzlich reizt.
  • Neuropathischer Schmerz und Allodynie: Schmerzen im Verlauf einer MS können scharf und stechend sein. Ein besonderer Fall ist die Allodynie – eine Überempfindlichkeit, bei der Reize Schmerzen auslösen, die normalerweise nicht schmerzhaft sind. Für Patienten mit Allodynie kann die Berührung von Bettwäsche, Kleidung oder sogar ein Luftzug unerträglich sein.
  • MS-Hug (MS-Umarmung): Ein spezifisches Gefühl von starkem Druck, Einschnürung oder Beklemmung im Bereich des Brustkorbs oder des Rumpfes. Dies ist das Ergebnis von Krämpfen der Zwischenrippenmuskulatur, die durch fehlerhafte Signale aus dem geschädigten Rückenmark verursacht werden.

Nebenwirkungen der pharmakologischen Behandlung

Die zweite Gruppe besteht aus sichtbaren dermatologischen Veränderungen, die eine direkte Folge der Einnahme von verlaufskonstmodifizierenden Therapien (DMT) oder der Behandlung von Schüben sind. Der Einfluss der Therapie auf das Immunsystem spiegelt sich oft auf der Haut wider:

  • Lokale Reaktionen: Betreffen injizierbare Medikamente (z. B. Interferone). An der Einstichstelle können Schwellungen, Rötungen, Gewebeverhärtungen sowie Schmerzen auftreten.
  • Flush-Symptomatik (Flushing): Charakteristisch für die Therapie mit Dimethylfumarat. Der Patient verspürt eine Hitzewelle, und die Haut an Gesicht, Hals und Dekolleté rötet sich intensiv.
  • Systemische Veränderungen: Die Einnahme bestimmter oraler Medikamente kann zu Akne, allergischen Ausschlägen oder übermäßigem Haarausfall führen.
  • Onkologisches und infektiöses Risiko: Medikamente wie Fingolimod oder Siponimod können die natürliche Abwehr der Haut gegen UV-Strahlung senken, was das Risiko für Hautkrebs erhöht (hoher Lichtschutz erforderlich). Gelegentlich kommt es auch zur Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, was zu einer schmerzhaften Gürtelrose führt.

Einfluss der Steroidtherapie auf die Haut

Während der Krankheitsschübe werden hohe Dosen von Kortikosteroiden eingesetzt, um die Entzündung schnell zu unterdrücken. Diese "Stoßtherapie" bleibt für die Haut nicht ohne Folgen:

  • Steroid-Akne: Ein plötzlicher Ausschlag kleiner Pusteln, hauptsächlich am Rumpf und im Gesicht.
  • Epidermale Atrophie: Die Haut wird pergamentartig, dünn und neigt leicht zu Blutergüssen.
  • Dehnungsstreifen: Durch die Schwächung der Kollagenfasern können rote oder violette Streifen auftreten.

Komplikationen durch eingeschränkte Mobilität

In fortgeschrittenen Stadien der MS, wenn der Patient die meiste Zeit im Liegen oder Sitzen verbringt, besteht das Risiko für Dekubitus (Durchliegegeschwüre). Langanhaltender Druck führt zu Sauerstoffmangel im Gewebe und dessen Absterben. Die Situation wird durch Sensibilitätsstörungen verschlimmert – der Betroffene nimmt Schmerzsignale möglicherweise nicht wahr, die normalerweise eine Änderung der Körperposition erzwingen würden, was die Entstehung von Wunden beschleunigt.

Strategien zur Bewältigung und Pflege

Das Management von Hautsymptomen bei MS erfordert einen mehrgleisigen Ansatz, abhängig von der Ursache des Problems:

  • Pharmakotherapie bei Schmerz und Juckreiz: Wenn die Ursache in den Nerven liegt, hilft eine rein dermatologische Behandlung nicht. Der Arzt kann Antiepileptika (z. B. Gabapentin) oder Medikamente verschreiben, die den Spiegel der Neurotransmitter beeinflussen, um überaktive Neuronen zu beruhigen.
  • Pflege und Hygiene: Die Verwendung von Emollientien und milden Reinigungsmitteln stärkt die Schutzbarriere der Haut. Heiße Bäder sollten vermieden werden, da sie neurologische Symptome verstärken können (Uhthoff-Phänomen).
  • Hausmittel: Kühle Kompressen können Brennen lindern. Bei Allodynie ist das Tragen von locker sitzender Kleidung aus natürlichen, atmungsaktiven Materialien (z. B. Baumwolle) entscheidend, um Hautreizungen zu minimieren. Entspannungstechniken und Stressabbau helfen ebenfalls, die Intensität sensorischer Symptome zu verringern.
  • Dekubitusprophylaxe: Bei Personen mit eingeschränkter Mobilität ist ein häufiger Positionswechsel (alle 2-3 Stunden), die Verwendung von Antidekubitusmatratzen sowie die Trockenhaltung der Haut unerlässlich.
  • Ärztliche Konsultation: Jede neue Hautveränderung sollte mit einem Neurologen oder Dermatologen besprochen werden. Es ist zu beachten, dass MS-Patienten statistisch gesehen ein leicht erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Psoriasis (Schuppenflechte) haben.

Quellen:

  • Foley, P. L., & Vester, A. E. (2010). Paroxysmal symptoms in multiple sclerosis. International Journal of MS Care, 12(4), 195–201. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7600828/
  • Hadj-Rabia, S., & Guesmi, M. (2020). Cutaneous Adverse Events of Disease-Modifying Therapies in Multiple Sclerosis. Dermatology and Therapy, 10(5), 931–947. https://journals.viamedica.pl/neurologia_neurochirurgia_polska/article/view/102356
  • Yasir, M., & Sonthalia, S. (2021). Corticosteroid Adverse Effects. In StatPearls. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK531462
  • Liu, C.-Y., Tung, T.-H., Lee, C.-Y., Chang, K.-H., Wang, S.-H., & Chi, C.-C. (2019). Association of Multiple Sclerosis with Psoriasis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. American Journal of Clinical Dermatology, 20(2), 201–208. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30361954/
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